Sehr geehrter Herr Staatssekretär Dr. Hamacher, sehr geehrter Herr Thrun, sehr geehrter Herr Kretschmer, meine sehr verehrten Damen und Herren,
„Erfurt die brückenreiche“ – so kann man es auf der Homepage der Landeshauptstadt Thüringens lesen. Allein 100 Querungen innerhalb der Stadtgrenzen führen über die Gera und verbinden die Ufer. Die wohl berühmteste davon ist die "Krämerbrücke", die einzige vollständig mit Häusern bebaute Brücke nördlich der Alpen.
Brücken zu bauen – diese Motivation steckt auch hinter der Initiative "job – Jobs ohne Barrieren".
Die Beteiligten aus Arbeitgeber- und Arbeitnehmerschaft, aus Sozial- und Behindertenverbänden, aus den Rehabilitationseinrichtungen und –trägern und aus der Politik wollen gemeinsam Brücken bauen. Brücken bauen, damit Menschen mit Behinderungen auf einem sicheren Weg Gräben, Barrieren, kurzum Hindernisse überwinden.
Und leider sind in unserer Arbeits- und Lebenswelt, in unserer Gesellschaft noch viele Hindernisse vorhanden: Ein Arbeitsplatz, der nicht barrierefrei ist, ein Restaurant ohne Rollstuhl-Rampe, ein U-Bahn-Zugang ohne Aufzug oder ein zu klein bedrucktes Formular.
Hinzu kommt, was oft schwerer zu beseitigen ist als physische Hindernisse: Vorurteile, Vorbehalte und Unsicherheit gegenüber behinderten und schwerbehinderten Mitmenschen.
Und auch: Fehlinformationen oder ein nicht mehr aktueller Kenntnisstand über die Vielfalt der Möglichkeiten, Hindernisse für und mit schwerbehinderten Beschäftigten im Unternehmen zu überwinden.
Wir haben also noch so manchen Brückenschlag vor uns.
Nach der Auftaktveranstaltung am 14. September 2004 in Mainz sind wir heute zur zweiten Schwerpunktveranstaltung der Initiative "job" zusammengekommen.
Bei der ersten, am 4. März in Frankfurt, stand die Förderung der Ausbildung behinderter Jugendlicher im Mittelpunkt. Die Ausbildung, die auf die individuellen Bedürfnisse zugeschnittene Qualifikation… das ist das Geländer, das den Weg vor allem junger Menschen ins Berufsleben absichert, Halt und Orientierung gibt.
Ich bin mir sicher, dass wir mit der heutigen Veranstaltung an den Erfolg in Frankfurt anknüpfen können. Dort hat Herr Clever, der Hauptgeschäftsführer der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), spontan eine Veranstaltung des BDA mit Personalverantwortlichen im Rahmen der Initiative in Aussicht gestellt.
Heute steht ein weiterer tragender Pfeiler der Brücke ins Arbeitsleben im Mittelpunkt: In Erfurt geht es um die Hilfen und die Instrumente zur Eingliederung und Sicherung der Beschäftigung behinderter und schwerbehinderter Menschen in den Betrieben.
Eine dritte Schwerpunktveranstaltung zu einem anderen wichtigen Brückenpfeiler, der betrieblichen Prävention, findet am 1. Juli in Berlin statt.
Meine sehr geehrten Damen und Herren,
der Veranstaltungsort, die "brückenreiche" thüringische Landeshaupt-
stadt, ist noch aus einem anderen Grunde gut gewählt. Erfurt hat in seiner langen Geschichte bewiesen, dass der Mut, sich auf Neues einzulassen, ein Standortvorteil ist.
Martin Luther, der hier prägende Jahre seines Lebens und Wirkens verbracht hat, urteilte einst: "Erfurt liegt am besten Ort. Hier muss eine Stadt sein". Dieser Stadt ist es gelungen, den Wandel von der traditionellen Universitäts- und Handelsstadt zum Hightech-Standort einzuleiten. Erfurts wirtschaftlicher Erfolg, die Attraktivität für Unternehmen und Investoren, war möglich, weil engagierte Menschen ein sicheres Gespür für die Zeichen der Zeit und den Mut zu Innovation bewiesen haben.
Genau das ist es auch, was wir brauchen, wenn es um die Beschäftigungssituation von Menschen mit Behinderungen geht: Den Mut, neue Brücken zu bauen, und als Arbeitgeber neue Wege zu gehen.
Zahlreiche gesetzliche Möglichkeiten helfen hierbei, damit sich die Beschäftigungssituation behinderter Menschen verbessert.
Die Herausforderungen liegen mehr in bestehenden Vorbehalten, in Beratungs- und Informationsbedarfen von Arbeitgebern als in Mängeln bereits seit langem bestehender Möglichkeiten der Förderung und Unterstützung.
An dieser Stelle will ich ausdrücklich allen Unternehmensvertretern Dank sagen, die hier heute zu unserer Veranstaltung gekommen sind. Sie könnten jetzt auch gerade bei Kunden sein und sich um Aufträge bemühen, Sie könnten neue Produkte entwickeln oder unternehmensstrategische Planungen machen. Sie sind aber hier. Das ist gut. Gut, einmal innezuhalten und darüber nachzudenken, wie Personalbedarf vielleicht auch mit Menschen mit Behinderungen gedeckt werden kann. Nachzudenken darüber, wie soziale Verantwortung noch breiter wahrgenommen werden könnte. Ich hoffe, dass wir Ihnen heute dafür interessante Informationen bieten können. Herzlichen Dank für Ihr Kommen!
Wir haben mit dem Gesetz zur Förderung zur Ausbildung und Beschäftigung schwerbehinderter Menschen vor allem darauf gesetzt,
•das Informations- und Beratungsangebot zu optimieren,
•bestehende Instrumente, wie die Integrationsvereinbarungen, auszubauen und
•mit verbesserten Anrechnungsmöglichkeiten auf die Beschäftigungs-
quote die Einstellung von schwerbehinderten Menschen zu erleichtern.
So sollen die Integrationsämter dafür sorgen, dass die Integrationsfachdienste Hauptansprechpartner für die Arbeitgeber sind, dass sie diese beraten und unterstützen.
Die Integrationsfachdienste sollen über die Leistungen der Bundesagentur für Arbeit und der anderen Rehabilitationsträger und die begleitenden Hilfen der Integrationsämter informieren und für die Arbeitgeber diese Leistungen abklären.
Mit dem Ausbau des Instrumentes der Integrationsvereinbarung soll die Teilhabe schwerbehinderter Menschen am Arbeitsleben stärker gefördert werden. Es verpflichtet Arbeitgeber, mit der Schwerbehindertenvertretung und dem Betriebs- oder Personalrat zusammenzuarbeiten. In den Vereinbarungen sollen insbesondere folgende Fragen geklärt werden:
•die Arbeitsplatzgestaltung,
•die Arbeitsorganisation und –zeit sowie
•die Personalplanung einschließlich Regelungen zur Beschäftigung eines angemessenen Anteils schwerbehinderter Frauen.
Weitere Regelungen zur Optimierung der Beschäftigungssituation schwerbehinderter Menschen - etwa zur Ausbildung behinderter Jugendlicher und zur Durchführung der betrieblichen Prävention - sind möglich und erwünscht. Die betrieblichen Akteure sind aufgefordert, ihre Möglichkeiten im Unternehmen verantwortlich wahrzunehmen, um auf ihren Betrieb zugeschnitten die best mögliche Regelung für die Beschäftigung schwerbehinderter Menschen durch Vereinbarung zu gestalten.
Die Schwerbehindertenvertretungen werden als wichtiger Ansprech-
partner für schwerbehinderte Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen in ihrer Arbeit gestärkt.
Die Beschäftigungspflichtquote von 5 Prozent bleibt unverändert bestehen. Ihre Höhe werden wir auf der Basis des von der Bundesregierung bis zum 30. Juni 2007 zu erstellenden Berichts überprüfen.
Weiteres Anliegen ist es, den Übergang aus den Werkstätten auf den allgemeinen Arbeitsmarkt verstärkt zu fördern.
Ein wichtiges Instrument zur Beschäftigung schwerbehinderter Menschen sind die Integrationsprojekte. Sie bieten schwerbehinderten Menschen sowohl Beschäftigung als auch arbeitsbegleitende Betreuung an. Sie können auch als unternehmensinterne Betriebe oder Abteilungen geführt werden.
Werden in Integrationsprojekten mindestens 40 Prozent schwerbehinderte Menschen beschäftigt, die wegen Art oder Schwere ihrer Behinderung im Arbeitsleben besonders benachteiligt sind, so kann jetzt hier die Zweckbetriebseigenschaft zuerkannt werden. Damit sind diese Unternehmen von Ertragssteuern befreit und zahlen nur einen ermäßigten Umsatzsteuersatz von sieben Prozent.
Meine sehr geehrten Damen und Herren,
der ehrgeizigste Architekt arbeitet umsonst, wenn die Bauleitung nicht zupackt und mit den Arbeiten beginnt. Die rechtlichen Möglichkeiten, die Bundesregierung und Gesetzgeber geschaffen haben, müssen in den Betrieben auch genutzt und umgesetzt werden. Und das geschieht leider noch zu wenig.
Im Jahre 2002 gab es in Deutschland fast 152.000 beschäftigungspflichtige Arbeitgeber, also solche mit 20 oder mehr Arbeitsplätzen. Davon erfüllten nur etwa 31.000 Arbeitgeber die Beschäftigungsquote von 5 Prozent voll oder übertrafen diese und wurden damit auch ihrer gesellschaftlichen Verantwortung gerecht. Dem standen mehr als 58.000, also über ein Drittel aller beschäftigungspflichtigen Arbeitgeber, gegenüber, die im Jahr 2002 keinen einzigen schwerbehinderten Menschen beschäftigt haben.
Wir müssen in gemeinsamer Verantwortung die Umsetzung gesetzlicher Regelungen für die Teilhabe schwerbehinderter Menschen unterstützen. In der Vergangenheit haben wir zum Beispiel mit der Kampagne "50.000 Jobs für Schwerbehinderte" gute Erfahrungen gemacht . An diese will die Initiative "job" anknüpfen. Ich kann nur immer wieder an alle Verantwortlichen in der Arbeitswelt appellieren: Nutzen Sie die Möglichkeiten, die die gesetzlichen Regelungen bieten.
Und nicht nur dies: Entdecken Sie vor allem die vielfältigen Potenziale behinderter Menschen.
Bundessozialministerin Ulla Schmidt hat es in einem Interview kürzlich wie folgt ausgedrückt: "Bei Einstellungen darf die Frage nicht lauten: behindert oder nicht behindert, sondern sie muss lauten geeignet oder nicht geeignet".
Behinderte Menschen können in der Qualifikation gegenüber nicht behinderten Mitbewerberinnen und Mitbewerber durchaus mithalten. Vor allem aber sind sie hoch motiviert und haben teilweise besonders ausgeprägte und geschärfte Teilkompetenzen gegenüber Nichtbehinderten.
Gut über 800.000 von ihnen beweisen dies tagtäglich eindrucksvoll im Arbeitsprozess in unseren Betrieben und Verwaltungen.
Bereits heute haben wir in einigen Branchen einen akuten Fachkräftebedarf. Hinzu kommt die demografische Entwicklung. So wird in den nächsten 25 Jahren die Gruppe der 20- bis 64-Jährigen in unserer Gesellschaft um knapp sechs Mio. zurückgehen. Bereits in den nächsten 15 Jahren reduziert sich der Anteil der 16- bis 29-Jährigen an den Erwerbsfähigen von 9,5 % auf 8,7 % und der der 30- bis 39-Jährigen von 12,6 % auf 9,6 %. Kein Arbeitgeber kann es sich also leisten, aus fadenscheinigen Gründen auf hoch qualifizierte Mitarbeiter zu verzichten. Das hieße, dass Vorurteile und falsch verstandene Zurückhaltung über sachliche und wirtschaftliche Argumente den Sieg davon tragen würden.
Und noch ein weiterer Gedanke verpflichtet jede und jeden, sich für die Integration behinderter Menschen einzusetzen: In Deutschland leben etwa 6,6 Mio. schwerbehinderte Menschen. Die wenigsten davon sind seit ihrer Geburt behindert. Eine Behinderung kann jeden von uns, kann enge Familienangehörige, kann Freunde und Arbeitskollegen treffen. Von einem Augenblick zum nächsten können Alltage, Lebensplanungen, Perspektiven und Verbindungen völlig auf den Kopf gestellt werden.
Behinderte und schwerbehinderte Menschen wollen – wie jede und jeder von uns – einen festen Platz in der Gesellschaft, in der Gemeinschaft haben, oder, um im Brückenbild zu bleiben, das sichere Ufer erreichen. Dazu sind sie aber darauf angewiesen, dass ihnen Unternehmen, Handwerksbetriebe oder Dienstleistungsfirmen die Gelegenheit dazu geben, den Brückenbau fördern und auf der anderen Brückenseite auch eine Perspektive bieten. Sie brauchen die Chance, sich im Arbeitsprozess zu bewähren und integrieren zu können.
Denn Arbeit ist mehr als reiner Broterwerb. Arbeit ist einer der zentralen Schlüssel, der das Tor zu allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens öffnet.
Arbeit und die damit verbundene soziale Sicherheit waren stets Grundpfeiler für Selbstbestimmung, für Chancengleichheit und Gleichberechtigung. Und das sind sie noch immer.
Meine sehr verehrten Damen und Herren,
das Motto, das sich bei der Auftaktveranstaltung zur Initiative "job" im Herbst vergangenen Jahres herauskristallisierte, lautete "Wollen muss man".
Dass viele wollen und es nicht bei guten Vorsätzen und Sonntagsreden belassen, zeigen oft auf beeindruckende Weise gerade auch kleine und mittelständische Unternehmen.
Im vergangenen Jahr erhielten im Freistaat Thüringen drei Betriebe die Auszeichnung "Behindertenfreundlicher Betrieb im Jahr 2004":
In der Fischräucherei Cramer & Klädtke aus Saalfeld und im Betrieb Warmuth Mobile GmbH aus Triebes wird Beschäftigungspolitik für behinderte Menschen gelebt und Barrierefreiheit als selbstverständlich angesehen.
Von den insgesamt 196 Beschäftigten der ebenfalls ausgezeichneten Stiftung Rehabilitationszentrum "Thüringer Wald" in Schleusingen sind 24 Mitarbeiter schwerbehindert. Hier wird vorgemacht, dass die Beschäftigung behinderter Menschen keineswegs einen Gegensatz zu betriebswirtschaftlichem Denken bildet.
Damit solche positiven Beispiele auch in anderen Unternehmen Schule machen, laufen bereits jetzt vier Projekte im Rahmen der Initiative, die ich gleichfalls nennen will:
1. Der Sozialverband VdK Deutschland beteiligt sich an "Jobs ohne Barrieren" mit dem Projekt "Motiviert integriert - Beschäftigung schwerbehinderter Menschen sichern und Fördermittel nutzen!". Ziel des Projekts ist die Verbesserung der Beschäftigungssituation schwerbehinderter Menschen vor allem in kleinen und mittelständischen Unternehmen.
2. Die Bosch GmbH beteiligt sich an "Jobs ohne Barrieren" in Kooperation mit der Walter AG Tübingen und dem iso-Institut Saarbrücken mit dem Projekt "Von der Integrationsvereinbarung zum Integrationsmanagement". Modellhaft wird hier durchgeführt, wie Unternehmen in der Führungspraxis mit Integrationsvereinbarungen umgehen.
3. Auch das Diakonische Werk Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz e.V. beteiligt sich an "Jobs ohne Barrieren mit dem Projekt „Arbeit durch Management/PATENMODELL - Arbeit für schwerbehinderte Menschen“. Hier stehen jedem schwerbehinderten Arbeitsuchenden drei ehrenamtlich Aktive zur Seite, die seinen beruflichen Wiedereinstieg fördern sollen: ein JobPATE, ein Gesundheitscoach und ein Präventionsberater. Alle drei arbeiten eng zusammen.
4. Die DIAS GmbH beteiligt sich an "Jobs ohne Barrieren" mit dem Projekt "Blinde und Sehbehinderte als Mitarbeiter kennen lernen", in dem Vorbehalte gegenüber blinden und sehbehinderten Arbeitssuchenden ausgeräumt und über deren Qualifikation für moderne Büroberufe informiert werden soll.
Auch die bereits laufenden Aktivitäten sollen andere dazu ermutigen, ebenfalls Brücken für die Beschäftigung behinderter Menschen zu bauen. Dabei denke ich z.B. an:
die Kooperation zwischen den OBI Bau- und Heimwerkermärkten und dem BFW in Frankfurt am Main. Hier können Rehabilitanden im Rahmen einer 10-monatigen Qualifizierung zum Baumarktfachberater in einem OBI Markt Betriebspraxis gewinnen. Bei einem erfolgreichen Verlauf der Kooperation soll diese bundesweit ausgeweitet werden.
Im Unternehmensforum, das die erste Schwerpunktveranstaltung in Frankfurt organisiert hat, haben sich bundesweit Betriebe mit dem Ziel zusammengeschlossen, die Interessen schwerbehinderter Arbeitnehmer und Kunden mit den Notwendigkeiten der Wirtschaft verbinden.
Die Bundesanstalt für Gewässerkunde (BfG) ist im vergangenen Jahr in der Kategorie "Öffentlicher Dienst" mit dem Landespreis des Landes Rheinland-Pfalz für die vorbildliche Beschäftigung schwerbehinderter Menschen ausgezeichnet worden (11 Prozent). Die Bundesanstalt ruht sich aber nicht auf den Lorbeeren aus. Sie versteht die Auszeichnung als Auftrag und setzt sich im Raum Koblenz für den verbesserten Einstieg behinderter Menschen in den Arbeitsmarkt ein.
Eine weitere Auszeichnung, die Unternehmen motivieren soll, behinderten Menschen eine Chance zu geben, ist der mit 5.000 Euro dotierte "Sozial-Oscar" des Kreises Gütersloh.
Auch der "DEICHMANN-Förderpreis" mit einem Preisgeld von insgesamt 80.000 Euro prämiert herausragende Job-Initiativen.
Das alles sind nur einige Beispiele für die Projekte und vielen Aktivitäten, die im Rahmen der Initiative "job" laufen. Die Ansätze mögen ganz unterschiedlich sein, das Ziel aber ist das selbe:
Es geht um die Eingliederung und die Sicherung der Beschäftigung behinderter Menschen. Ob im Familienbetrieb, ob im weltweit operierenden Unternehmen, im Kreis oder bundesweit, im Baumarkt oder im Management.
Meine sehr verehrten Damen und Herren,
Von Martin Luther stammt der Satz: "Von Arbeit stirbt kein Mensch, aber von Ledig- und Müßiggehen kommen die Leute um Leib und Leben; denn der Mensch ist zum Arbeiten geboren wie der Vogel zum Fliegen."
Ich möchte alle Verantwortlichen ermutigen, behinderten und schwerbehinderten Menschen Brücken zu bauen ins Arbeitsleben. Sie beim Überwinden der Hindernisse zu unterstützen. Und ihnen zu helfen, ihren festen Platz in der Gesellschaft zu finden.
Eine Gesellschaft, die denen, die Hilfe brauchen, nicht die Hilfe gibt, die sie geben kann, wird ihrer sozialen Verantwortung nicht gerecht und setzt sich dem möglich Vorwurf der Zugbrücken-Mentalität aus. Sie verschanzt sich in ihrer eigenen Sicherheit hinter der hochgezogenen Brücke.
Die Mütter und Väter unseres Grundgesetzes haben etwas anderes gewollt. Ausdrücklich haben sie in unsere Verfassung geschrieben, dass die Bundesrepublik Deutschland ein demokratischer und sozialer Rechtsstaat ist. An uns liegt es, dem gerecht zu werden und es tagtäglich auch vorzuleben.
Was zählt, ist die Einstellung. Die positive Einstellung gegenüber behinderten Menschen als hoch motivierte und qualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Eine Einstellung, die dann auch über gemeinsam gebaute und beschrittene Brücken tatsächlich in Einstellungen mündet.
Und damit auch erfüllt wird, was wir ebenfalls auf der Homepage unserer heutigen Gastgeberstadt lesen können: „Brücken zu schlagen ist von alters her die optisch bewussteste Form des Aufeinanderzugehens. Brücken stehen für Verbindung, Beständigkeit, Zukunft und Freiheit.“
Bekannt dafür, beständige Verbindungen und Brücken in die Zukunft und Freiheit zu schaffen, sind die deutschen Berufsförderungswerke, deren Arbeitsgemeinschaft heute der Veranstalter unserer Tagung ist. Dafür sage ich herzlichen Dank.
Die Berufsförderungswerke haben unter Beweis gestellt, dass sie auch unter schwierigen Bedingungen hervorragende Ergebnisse der Reintegration in den Arbeitsmarkt erzielen. Und damit gemeinsam mit verantwortungsbewussten Unternehmen Menschen mit Behinderungen Brücken bauen und ihnen helfen, selbständig und unabhängig ihren Weg im Leben gehen zu können.
Ich wünsche mir, dass nach der heutigen Erfurter Tagung weitere Brücken entstehen, danke gleichfalls allen anderen Mitwirkenden und wünsche uns gemeinsam interessante Informationen, spannende Gespräche und damit einen weiteren Schub für die Initiative „job - Jobs ohne Barrieren“, oder, wenn man bei den auf Erfurt bezogenen Bildern der Brücken bleiben will: „job – Jobs over bridges“.